Aquarium-Fotografie:
So machst du perfekte Fotos deines Beckens

Jeder Aquarienbesitzer ist stolz auf sein Becken und dessen Bewohner. Denn schließlich steckt in einem Aquarium eine Menge Leidenschaft. Und man freut sich über neue Fische, schöne Korallen und wie das Becken mit Liebe und Pflege gedeiht.

Natürlich möchte man diese schönen Eindrücke auch gerne teilen. Mit Freunden, Verwandten und Menschen im Internet. Die einfachste Weise das zu tun, ist natürlich in Form eines Fotos. Und das ist der Punkt an dem oftmals die Probleme anfangen. Obwohl das eigene Aquarium in voller Pracht im Zimmer steht, will es auf den Fotos einfach nicht so schön aussehen, wie in echt.

Aus diesem Grund möchte ich dir in diesem Artikel die Grundlagen der Aquarienfotografie zeigen und ein paar einfache Tipps geben, mit denen du deine Aufnahmen deutlich verbessern kannst.

Ein Aquarium fotografieren – gar nicht so einfach

Ein Meerwasseraquarium ist von Natur aus ein Objekt, das schwierig zu fotografieren ist. Man hat es mit extremen Lichtunterschieden zwischen Aquarium und Umgebung zu tun. Mit Spiegelungen an den Scheiben. Und mit beweglichen Motiven (den Fischen und Korallen).

Aus diesem Grund lohnt es sich, die Grundlagen der Fotografie zu kennen, damit man all diesen Problemen entgegenwirken kann.

Am besten benutzt du für die Aquarienfotografie eine echte DSLR Kamera (digitale Spiegelreflexkamera).
Bei Schnappschusskameras und Handys kannst du meist die 3 wichtigen Grundparameter eines Bildes nicht manuell einstellen. Die Kamera verwendet einfach „Standardwerte“, die aber für das Fotografieren von Personen optimiert sind und nicht für das Fotografieren von Aquarien.

Die Grundlagen der Fotografie

Eine Fotokamera ist im Prinzip nichts anderes als eine kleine dunkle Box, mit einem Bildsensor in der Mitte. Vor der Linse deiner Kamera befindet sich die Blende. Diese kann sich öffnen und schließen und dadurch Licht auf den Sensor fallen lassen. Dieses Licht trifft dann auf den Sensor und wird dort in ein Bild umgewandelt.

Gelang zu viel Licht auf den Sensor, wird das Bild überbelichtet und viel zu hell. Gelangt zu wenig darauf, wird das Foto zu dunkel. Um die Belichtung zu kontrollieren haben wir drei Möglichkeiten:

1) Die Blende

Die Blende an deiner Kamera ist im Prinzip nichts weiter, als ein Loch in der Kamera, das sich in der Größe verändern lässt. Durch dieses Loch fällt Licht in die ansonsten dunkle Kamera und trifft auf deinen Sensor.

Die verschiedenen Öffnungen werden auch f-Stop genannt und tragen Namen wie f/8 oder f/2.4. Je kleiner die Zahl, desto mehr Licht kann auf einmal in die Kamera gelangen. Eine Blende f/4 lässt deutlich mehr Licht auf deine Sensor fallen, als eine Blende f/18.

14434503417_ea6b73b33a_zGleichzeitig kannst du mit der Blende auch den wunderschönen Effekt der Tiefenunschärfe erzeugen. Dein Motiv ist knackig scharf, während der Hintergrund verschwimmt. Dadurch hebt sich dein Motiv vom Hintergrund ab und dein Bild wirkt angenehmer zu betrachten.

Je kleiner die Blendenzahl ist, desto mehr verschwimmt der Hintergrund deines Bildes. Je größer die Blende ist, desto mehr Schärfe hast du im gesamten Bild.

Für schöne Nahaufnahmen von Fischen und Korallen mit verschwommenem Hintergrund empfiehlt es sich deshalb mit möglichst kleiner Blende zu fotografieren. Für einzelne Korallen ist ein Wert um die f/2.4 optimal.

Möchtest du hingegen das gesamte Aquarium gestochen scharf fotografieren, empfehle ich dir eine f/8 oder f/11.

2) Die Verschlusszeit

Mit der Verschlusszeit kannst du einstellen, wie lange die Blende geöffnet bleibt. Je länger die Blende offen ist, desto mehr Licht kann logischerweise auf den Sensor fallen und desto heller wird das Bild. Öffnest du die Blende zu kurz, wird das Bild sehr dunkel.

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Das Problem:

Je länger die Blende deiner Kamera geöffnet ist, desto mehr Zeit haben deine Fische sich zu bewegen. Deine Kamera nimmt diese Bewegung mit auf. Und du erhälst als Ergebnis verschwommene Fische (siehe Bild).

Möchtest du knackig scharfe Fische haben, musst du deshalb mit sehr kleinen Verschlusszeiten arbeiten.

3) ISO-Wert

Mit dem ISO Wert regelst du, wie empfindlich dein Sensor auf das Licht reagiert. Bei einem hohen ISO Wert reicht schon sehr wenig Licht aus, um deine Bilder angenehm hell zu machen.

Du kannst bei einem hohen ISO Wert also eine kleinere Verschlusszeit verwenden, ohne dass dein Bild dunkler wird. Das ist fantastisch für knackig scharfe Fotos.

Einziger Nachteil: Mit steigendem ISO Wert bilden sich zunehmend Artefakte im Bild, das Bild wirkt dann grieselig und körnig, so wie ein alter Schwarz-Weiß-Film. Also übertreibe es nicht.

Wie stellst du nun die optimale Beleuchtung ein?

6179342638_bf97482e8e_zAm besten Stellst du deine Kamera auf den Modus A (Nikon) bzw. Av (Canon).

In diesem Modus kannst du die Blendengröße selbst bestimmen. Du kannst also entscheiden, ob du einen verschwommenen Hintergrund möchtest, oder lieber einen gestochen scharfen Hintergrund.

Die Kamera wählt in diesem Modus die Verschlusszeit automatisch, so dass du immer ein gut belichtetes Bild bekommst. Ohne andauernd manuell nachstellen zu müssen.

Falls das Bild nun verschwommen ist, kannst du langsam anfangen den ISO Wert nach oben zu stellen. Dadurch kann deine Kamera eine kürzere Verschlusszeit wählen und deine Bilder werden schärfer.

Praktische Tipps

1. Korallen immer mit Stativ fotografieren

Mit einem Stativ bleibt deine Kamera absolut ruhig. Dadurch kannst du längere Verschlusszeiten verwenden, ohne dass die Bilder durch das Zittern deiner Hand verwackeln. Somit bekommst du einen leichten, lebendigen Bewegungseffekt in deine Korallen und sie wirken gleich viel schöner.

Ein super Stativ, das ich selbst benutze, ist das Dreibeinstativ von Hama. Falls du dir  Stativ zulegen möchtest, kannst du auch versuchen die Kamera auf einen Tisch oder Stuhl zu legen während du fotografierst.

2. Schnelle Fische fotografieren

Fische, die sich schnell bewegen, benötigen extrem geringe Verschlusszeiten unter 1/250 Sekunden. Nur so schafft man es, den Fisch „einzufrieren“ und kein verschwommenes Bild zu erhalten.

Wähle deshalb die Blende mit der kleinsten Zahl aus (Kleinere Zahl=Größere Blendenöffnung = Mehr Licht in der Kamera = Kürzere Verschlusszeit).

Falls das immer noch nicht genügt, bewirkt ein hoher ISO Wert hier wahre Wunder.

3. Fotografiere senkrecht zum Glas

Eine Herausforderung bei der Aquarienfotografie ist, dass du fast immer durch die Glasscheibe deines Beckens hindurch fotografieren musst.

Die Scheibe wirkt für deine Kamera, wie eine zusätzliche Linse. Das kann dazu führen, dass das Bild verzerrt wird oder der Autofokus nicht richtig funktioniert. Je größer der Winkel von deiner Kamera zur Scheibe ist, desto schlimmer der Effekt.

Versuche deshalb immer senkrecht, 90° vor deiner Scheibe, zu fotografieren. Dadurch hältst du Verzerrungen in Grenzen und dein Motiv ist sauber im Fokus.

4. Benutze den Weißabgleich

Die Beleuchtung deines Aquariums wirkt für deine Kamera oftmals ganz anders, als für dein Auge. Vor allem bei LED-Beleuchtungen. Oftmals sind die Bilder dadurch sehr blau- und lilastichig. Nutze deshalb den Weißabgleich deiner Kamera, um eine möglichst neutral Farbgebung zu erhalten.

5. Keine Spiegelungen dank Polfilter

Jeder, der schon ein mal versucht hat durch eine Scheibe zu fotografieren kennt das Problem: Glas spiegelt. Und ruckzuck hat man nicht nur schöne Fische, sondern auch sein Gesicht oder das Sofa mit auf dem Foto. Dieses Problem lässt sich super einfach mit einem Polfilter (CPL) vermeiden. Diese sind auf Amazon bereits für unter 20€ zu haben. Einfach auf dein Objektiv schrauben und sofort sind alle Spiegelungen verschwunden.


photo credit: 55Laney69, CC-BY; Stéphane Duquesne, CC-BY-NC; Tom Page, CC-BY (edited); Tom Bayly, CC-BY

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